Vera Kaspar: Dialog im Trost der Philosophie

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Abständiges - Symposion

Beitrag zum Symposion Abständiges 16.5. 2019 im Kunstraum Kreuzlingen

 

Dialog im Trost der Philosophie nach dem Druck von Johannes Grüninger 1501

Die visuelle Darstellung der Figuren werden im Verhältnis zur Organisation der Figuren innerhalb der Textstruktur untersucht. Es wird zwischen unterschiedlichen medialen Orientierungen der sinnlichen Aufmerksamkeit unterschieden.Das Bild befindet sich in dem Druck von Johannes Grüninger (Strassburg 1501). Der Träger des Drucks ist Papier und damit deutlich unterschieden von den zuvor konsultierten Bildern, welches Handschriften auf Pergament sind. Der Druck aus der Offizin von Grüninger ist „reich“ mit Holzschnitten illustriert. Schwerpunkte der visuellen Analyse sind Schreibwerkzeuge, Bücher, das Zepter, die Grösse der Protagonisten, und der Dialog zwischen den Figuren. Die Verhältnisse werden mittels Vektoren untersucht.

Biografische Notiz

Vera Kaspar, geboren in Basel, ist Grafikerin mit Abschluss eines Master of Arts an der ZHdK in Zürich und einem Bachelor of Arts an der ECAL in Lausanne. Zwischen den beiden Studien hat sie vier Jahre in dem Kunstbuchverlag JRP Ringier als Inhouse-Grafikerin sämtliche Bücher gestaltet. 2014 erhielt sie zusammen mit ihrem damaligen Kollegen Nicolas Eigenheer den Preis der Schönsten Schweizer Bücher für die Publikation „Carl Andre-Poems“. Seit 2016 arbeitet sie mit den freischaffenden Grafikern Huber-Sterzinger in Zürich zusammen.  Daneben ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Nils Röller an dem Projekt Ikonografie der Trostschrift beteiligt.

 

 

 

 

Barbara Ellmerer: Bildprotokoll Nr. 6

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Abständiges - Symposion

Beitrag zum Symposion Abständiges 16.5. 2019 im Kunstraum Kreuzlingen

 

Bildprotokoll Nr. 6

Annäherung an den Begriff Bildprotokoll, der das Herausfinden der Indizien für Reflexionen im Prozess der künstlerischen Bildproduktion umkreist und wie/ob diese sprachlich-diskursiv erfasst werden können. Am Beispiel des Bildprotokolls Nr. 6 soll dies veranschaulicht werden.

Bild: Barbara Ellmerer, „Etappenbild-Bildprotokoll Nr.6“,2019, Eis auf Scanapparat, Digitalprint, 41 x 29,5 cm

 

Biografische Notiz mit aktuellen Veröffentlichungen

Barbara Ellmerer ist Künstlerin und setzt seit 2011 physikalische Prozesse ins Zentrum ihrer Arbeit. Sie erforscht mit malerischen und zeichnerischen Mitteln unsichtbare Kräfte. Ausgehend von wissenschaftlichen Diagrammen transponiert sie seit 2016 Atome in Malerei (siehe Ausstellungen: Atomjumps, 2017, Galerie Andres Thalmann, Zürich, Particules minuscules, 2018 Galerie Numaga, Auvernier, sowie dieInstallation Extension (Atom-modell), 2017 im Kunsthaus Centre PasquArt, Biel-Bienne. Barbara Ellmerer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute for Contemporary Art Research (IFCAR) an der Zürcher Hochschule der Künste.Aktuell arbeitet sie am SNF-Forschungsprojekt Ikonographie der Philosophie (2017-2018, mit Vera Kaspar, Dominic Neuwirth und Nils Röller). Untersuchungsgegenstand ist die Ikonographie des Trosts der Philosophiedes Boethius. 2010-2011 arbeitet sie gemeinsam mit Nils Röller, Yves Netzhammer und Judith Albert am SNF-Forschungsprojekt Indirekte Erfahrungen (IFCAR). Dazu erschien die Publikation Über Kräfte (Berlin: Merve, 2012). Der Prozess dazu, der Output im Blog Journal für Kunst, Sex und Mathematik wurde im Kunstmuseum Thun analog präsentiert. BarbaraEllmerer hat an der F+F Schule für Kunst und Design, Zürich und an der Universität der Künste UdK, Berlin studiert.

Veröffentlichungen

Barbara Ellmerer, in: Atomjumps (Galerie Andres Thalmann, Zürich, 2017)

Barbara Ellmerer, in: Particules minuscules (Galerie Numaga, Auvernier, 2018)

Barbara Ellmerer, „Extension (Atom-modell)“, (Kunsthaus Centre PasquArt, Biel-Bienne, 2017)

Barbara Ellmerer, in: Über Kräfte (Berlin: Merve, 2012)

Barbara Ellmerer, in: Labor2: Indirekte Erfahrungen (Kunstmuseum Thun, 2011)

Dominic Neuwirth: Social Media Protokoll I

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Abständiges - Symposion / Allgemein

Beitrag zum Symposion Abständiges 16.5. 2019 im Kunstraum Kreuzlingen:

Social Media Protokoll I

Dominic Neuwirth präsentiert Social Media Protokoll Nr. 1, das sich unter anderem mit der Frage auseinandersetzt, wie und ob sich forschungsrelevante Inhalte auf eine Social Media Plattform wie z.B. Instagram oder Twitter überführen lassen.Bild: Dominic Neuwirth, „Zielbild zu Social Media Protokoll Nr. 1“, Auftritt auf Instagram (Stand: Zürich 29.01.2019)

 

Dominic Neuwirth, *1991 in Aarau, 2013-2016 Bachelor Kunst & Medien, Vertiefung Mediale Künste, 2016-2018 Master of Arts in Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste, arbeitet in den Bereichen Installation, Konzeptkunst und Text. Installative, theoretische und literarische Auseinandersetzungen zu ausgewählten Themen, wie z.B. der „maschinischen Indienstnahme“, wie auch grundlegende Fragen der Übertragung und Übersetzung bilden Schwerpunkte seiner Arbeit. Seine Themen vermittelt er mit einem Repertoire an Werkzeugen, das sich stetig von neuem organisiert. Mit der Reduktion, Dekonstruktion/ Modifikation und Reorganisation verschiedener Instrumentarien erhofft er sich, in einer globalisierten Welt der Verunsicherung, Diskurse anzuregen, die es ermöglichen, ausgewählte Fragestellungen zu vertiefen und Bekanntes neu zu denken oder überdenken. Neuwirth lebt und arbeitet zurzeit in Lenzburg.

Arno Schubbach: Gespräch: Zerzeigung – Darstellung – Beiwerk

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Abständiges - Symposion

Beitrag zum Symposion Abständiges 16.5. 2019 im Kunstraum Kreuzlingen:

 

Gespräch: Zerzeigung – Darstellung – Beiwerk

 

Bild: Euklid,  „Klassische Konstruktion von Euklis I.32″ Online: (Stand: 01.05.2019)

 

Biografische Notiz mit aktuellen Veröffentlichungen

Arno Schubbach studierte Mathematik, Informatik und Philosophie in Darmstadt und Berlin. Nach dem Diplom in Mathematik an der Humboldt-Universität zu Berlin 1999 widmete er sich seinem philosophischen Promotionsprojekt  zum Verhältnis von Subjektivität und Sozialität in der Phänomenologie sowie im Strukturalismus und Poststrukturalismus. Die Promotion erfolgte 2005 an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Ab 2005 war Arno Schubbach zunächst als PostDoc am Nationalen Forschungsschwerpunkt „Bildkritik“ (eikones) an der Universität Basel tätig, von 2009 bis 2014 hatte er ebenda die FAG-Assistenzprofessor „Theorie der Bilder“ inne und leitete in dieser Funktion sowohl das eikones-Graduiertenkolleg „Das Bild als Artefakt“ als auch zusammen mit Michael Hagner das Modul „Wahrnehmung, implizites Bildwissen und Erkenntnis“. Die Habilitation im Fach Philosophie erfolgte 2013 an der Universität Basel auf der Grundlage der Habilitationsschrift „Die Genese des Symbolischen. Zu den Anfängen von Ernst Cassirers Kulturphilosophie“.

Im Wintersemester 2014/15 war Arno Schubbach Fellow der Kolleg-Forschergruppe „BildEvidenz“ an der Freien Universität Berlin, frühere Forschungsaufenthalte hatten ihn bereits 1999/2000 und 2010 an die Yale University und die Beinecke Rare Books and Manuscript Library (New Haven, CT, USA) geführt sowie 2011 an das Philosophy Department der Stanford University (Paolo Alto, CA, USA). Seit Frühjahr 2015 ist er als Dozent für Bildtheorie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel tätig, seit Herbst 2015 zudem als Oberassistent am Lehrstuhl für Philosophie an der ETH Zürich.

Veröffentlichungen

Arno Schubbach, „Thomas C. Vinci: Speace, Geometry, and Kant’s Transcendental Deducation of the Categories. New York 2015.“, in: Baum Manfred, Dörflinger Bernd, Klemme Heiner F. (Hrsg.),  Kant-Studien. Philosphische Zeitschrift der Kant-Gesellschaft. Bd.110 Nr.1 (Berlin: de Gruyter, 2019) S.166-171.

Arno Schubbach, „Judging machines: philosophical aspects of deep learning“, in: O. Bueno, C. Dutilh Novaes, W. van der Hoek (Hrsg.), Synthese. An international Journal for Epistemology, Methology and Philosophy of Sience (Dordrecht: Springer, 2019)

Arno Schubbach,  „Ernst Cassirer: Nachgelassene Manuskripte und Texte, Bd. 15: Vorlesung und Vorträge zu Kant, Hamburg 2016: Begründet von Klaus Christian Köhnke, John Michael Krois und Oswald Schwemmer“, in: Baum Manfred, Dörflinger Bernd, Klemme Heiner F. (Hrsg.),  Kant-Studien. Philosphische Zeitschrift der Kant-Gesellschaft. Bd.109  Nr.3 (Berlin: de Gruyter, 2018) S.499-504.

Arno Schubbach, „The Practice of Practice-led Iconic Research“, in: Visible Language. The Journal of Visual Communication Research Bd.51/52 Nr.3/1 (Cincinnati: OH:University of Cincinnati, 2018) S.34-55.

Arno Schubbach, „Der ‘Begriff der Sache’ Kants und Hegels Konzeptionen der Darstellung zwischen Philosophie, geometrischer Konstruktion und chemischem Experiment“, in: Brigit Sandkaulen, Michael Quante, Hegel-Studien Bd.51 (Hamburg: Meiner Verlag für Philosophie, 2018) S.121-162.

Arno Schubbach, „Kants Konzeption der geometrischen Darstellung“, in: Baum Manfred, Dörflinger Bernd, Klemme Heiner F. (Hrsg.),  Kant-Studien. Philosophische Zeitschrift der Kant-Gesellschaft. Bd.108  Nr.1 (Berlin: de Gruyter, 2017) S.19-54.

Arno Schubbach, „Zur Darstellung von Zeit und Zeit der Darstellung“, in: Studia philosophica Bd.69 (Basel: Schwabe, 2010) S.95-119.

 

 

Robert Preusse: Diskursive Verortung

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Abständiges - Symposion

Beitrag zum Symposion Abständiges 16.5. 2019 im Kunstraum Kreuzlingen:

 

Diskursive Verortung

Beispielhaft vergleicht dieser Beitrag zwei Darstellungen, bei denen Zeit- und Räumlichkeit unterschiedlichen Vorstellungen folgen; eine chronotopographische Ansicht (Raum und Zeit übergreifend) und einen Zeitstrahl.

Die Reisen des Universalgelehrten Ramon Llull durch den Mittelmeerraum des 13. Jahrhunderts zeigen, wie durch den Raum eine überzeitliche Verbindung konstruiert wird. Die Analyse von Forensic Architecture zur Aufklärung des NSU Mordes an Halit Yozgat verwendet hingegen eine lineare Zeitlichkeit zur Rekonstruktion von Ereignissen und Verantwortlichkeiten. Beide Projekte entwerfen diagrammatische Darstellungen von Räumen und Diskursen, um ihre jeweils spezifischen Anliegen durch die Konzeptionen von Raum und Zeit sichtbar und nachvollziehbar zu machen.

 

Bild: Robert Preusse, „The Murder of Halit Yozgat”, in: Counter Investigation: Forensic Architecture (London: The Institute of Contemporary Arts, 2018)

 

Biografische Notiz

Robert Preusse studierte zunächst Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin und erlangte 2016 seinen Masterabschluss am Center for Research Architecture am Goldsmiths, University of London. Gemeinsam mit Marius Förster und Stefanie Rau arbeitet er seit 2017 unter dem Namen operative.space als Grafikdesigner und Researcher an konzeptuellen Designprojekten.

 

Veröffentlichungen

Robert Preusse, in: Counter Investigations: Forensic Architectur (London: The Institute of Contemporary Arts, 2018)

Robert Preusse, in: DIA-LOGOS. Ramon Llull und die Kunst des Kombinierens (Karlsruhe: ZKM, 2018)

Robert Preusse, in: Weil Ich Nun Mal Hier Lebe (Frankfurt, Museum für Moderne Kunst, 2018)

Robert Preusse, in: Centre for Contemporary Nature (Warschau, U-jazdowski,2019)

www.operative.space

Andreas Kirchner: Die Zelle als Erkenntnisraum? Raumkonzepte in der Consolatio

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Beitrag zum Symposion Abständiges 16.5. 2019 im Kunstraum Kreuzlingen:

 

Die Zelle als Erkenntnisraum? Raumkonzepte in der Consolatio

Welche Bedeutung kommt der Zelle des Boethius zu? Was ist zu gewinnen, wenn wir heute die Consolatio vor dem Hintergrund neuerer geistesgeschichtlicher Entwicklungen lesen? Anhand von exemplarischen Betrachtungen zu Konzepten des Raumes in der Consolatio kann gezeigt werden, wie fruchtbar die Anwendung aktueller Konzepte auf historische Texte (hier der Spätantike) sein kann und wie sehr letztere wiederum das Denken der Gegenwart bereichern können.

 

Biografische Notiz mit aktuellen Veröffentlichungen

Andreas Kirchner, geboren 1983, hat Philosophie und Katholische Theologie/Religionsgeschichte in Dresden und Freiburg studiert. Von 2013–2016 promovierte er im Sonderforschungsbereich 1015 (Muße. Konzepte, Räume und Figuren) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zu spätantiken Muße- und Theoriakonzeptionen. Seit 2017 ist er PostDoc im Sonderforschungsbereich 1015 (Muße. Grenzen, Raumzeitlichkeit, Praktiken) und forscht zu Fragen der Entwicklung von Muße-Formen und Askese-Vorstellungen im Nahen Osten der Spätantike.

 

Veröffentlichungen

Andreas Kirchner, „Geist ist Leben. Lebensbegriff und Philosophenbiografie in der Spätantike“, in: Mario Meliadò und Silvia Negri (Hrsg.), Praxis des Philosophen, Praktiken des Philosophiehistorikers. Perspektiven von der Spätantike bis zur Moderne (Geist und Geisteswissenschaft Bd.2) (Freiburg, München: Karl Alber, 2018), S.103-139.

Andreas Kirchner, „Dem Göttlichen ganz nah. ‚Muße‘ und Theoria in der spätantiken Philosophie und Theologie“, in: Otium. Studien zur Theorie und Kulturgeschichte der Muße Bd.8, (Tübingen: Mohr Siebeck, 2018)

Andreas Kirchner, „Wir brauchen den Exzess! Exzess und Erkenntnis“, in: Anna Karina Sennefelder, etc. (Hrsg.), Muße. Ein Magazin Bd.1 (Freiburg, 2017), S.9-17.

Andreas Kirchner, „‚Alles strebt nach Theorie‘. Bemerkungen zu Plotins Konzept der Theoria“, in: Thomas Jürgasch und Tobias Keiling (Hrsg.), Anthropologie der Theorie (Otium. Studien zur Theorie und Kulturgeschichte der Muße. Bd.6) (Tübingen: Mohr Siebeck, 2016), S.65-97.

Andreas Kirchner, etc., „Konepte der Musse“, (Tübingen: Mohr Siebeck, 2016)

 Andreas Kirchner, „Die Consolatio Philosophiae und das philosophische Denken der Gegenwart. Was uns die Philosophie heute noch lehren kann“, in: Thomas Böhm, Thomas Jürgasch und Andreas Kirchner (Hrsg.), Boethius as a paradigm of late ancient thought, (Berlin: de Gruyter, 2014), S.171-211.

Andreas Kirchner, Thomas Böhm und Thomas Jürgasch (Hrsg.), Boethius as a paradigm of late ancient thought, (Berlin: de Gruyter, 2014)

Internetadresse: Andreas Kirchner

Thomas Jürgasch: : „Worüber man nicht reden kann, darauf muss man zeigen – Boethius’ Bild der wechselnden Größe der Philosophia“

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Beitrag zum Symposion Abständiges 16.5. 2019 im Kunstraum Kreuzlingen:

 

„Worüber man nicht reden kann, darauf muss man zeigen – Boethius’ Bild der wechselnden Größe der Philosophia“

In seinem «Trost der Philosophie» zeichnet Boethius ein lebendiges und in vielerlei Hinsicht eindrucksvolles Bild der mit ihm in ein Gespräch tretenden und als Dame personifizierten Philosophie. Zu den besonderen Eigenschaften dieser Dame gehört es, dass sie ihre Größe verändert: Während sie zunächst auf das Maß menschlicher Größe beschränkt ist, erscheint sie Boethius in der Folge zum Teil auch so groß, dass sie mit ihrem Scheitel an den Himmel reicht und dann sogar in den Himmel hineinragt. In meinem Beitrag möchte ich auf einige Aspekte dieses Sprachbildes eingehen. Ich möchte es mit Blick auf Boethius’ Philosophieverständnis kontextualisieren und auf einige antike und spätantike Topoi eingehen, auf die Boethius’ Darstellung der besagten Dame verweist. Abschließend möchte ich noch einige allgemeine Bemerkungen zu Boethius’ Verwendung von Sprachbildern machen und Stellung nehmen zu den Ansätzen, die Sie in Ihrem Projekt verfolgen und die meines Erachtens einen wichtigen Beitrag auch zur „klassischen“ Boethius-Forschung leisten, die bislang den Bereich der bildenden Kunst leider nicht ausreichend berücksichtigt hat.

 

Biografische Notiz

Thomas Jürgasch, Dr. theol., geb. 1978, in Kassel, Studium der Theologie und Philosophie in Freiburg und Oxford. Seit 2007 ist er Wissenschaftlicher Angestellter an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2013 Teilprojektleiter im Sonderforschungsbereich 1015 „Muße“.

Aktuelle Veröffentlichungen

Thomas Jürgasch, Theoria versus Praxis? Zur Entwicklung eines Prinzipienwissens im Bereich der Praxis in Antike und Spätantike“ (Berlin: de Gruyter, 2013)

Thomas Jürgasch, Thomas Böhm und Andreas Kirchner(Hrsg.), Boethius as a Paradigm of Late Ancient Thought (Berlin: de Gruyter, 2014)

Thomas Jürgasch und Tobias Keiling, „Enzyklopädische Räume. Zur Gegenwart der Geschichte in Peter Zumthors Kolumba-Museum“, in: Günter Figal, Hans Hubert und Thomas Klinkert (Hrsg.), Die Raumzeitlichkeit der Muße (Tübingen: Mohr Siebeck, 2016)

Thomas Jürgasch, Tobias Keiling (Hrsg.), „Anthropologie der Theorie, in: Otium. Studien zur Theorie und Kulturgeschichte der Muße, Bd.6) (Tübingen: Mohr Siebeck, 2017)

Thomas Jürgasch, „Hyperphatische Anthropologie: Zum Verhältnis von Theoria und Anthropologie bei Dionysius Areopagita“, in: Thomas Jürgasch und Tobias Keiling (Hrsg.), Anthropologie der Theorie (Otium. Studien zur Theorie und Kulturgeschichte der Muße. Bd.6) (Tübingen: Mohr Siebeck, 2017) S.99-131.

Thomas Jürgasch, Johannes Heger und Milad Karimi (Hrsg.), Religion? Ay Caramba! Theologisches und Religiöses aus der Welt der Simpsons (Freiburg: Herder, 2017)

Thomas Jürgasch, „Christians and the Invention of Paganism in the Late Roman Empire“, in: Marianne Sághy, Michele R. Salzman und Rita Lizzi Testa (Hrsg.), Pagans and Christians in Late Antique Rome: Conflict, Competition, and Coexistence in the Fourth Century (Cambridge: Camebridge University Press, 2015) S.115-129.

Thomas Jürgasch, „Die Enzyklopädie als Choratopos. Pragmatistische Überlegungen zur Interpretation als einem räumlichen Phänomen“, in: Günter Figal (Hrsg.), International Yearbook for Hermeneutics Bd.14 (Tübingen: Mohr Siebeck,2015), S. 194-222.

Lektüre in den Signaturen: Jan Kuhlbrodt zu den Ikonen des Gesetzes

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Allgemein

Lektüre in den Signaturen

Jan Kuhlbrodt: Aus der Wüste
Ich hatte im Januar begonnen, ein Buch des italienischen Philosophen Massimo Cacciari zu lesen, das gerade in einer Übersetzung von Nils Röller im Wilhelm Fink Verlag erschienen war. IKONEN DES GESETZES. Cacciari lebt und lehrt in Venedig und war sogar eine Zeitlang Bürgermeister der Lagunenstadt. Zudem war er mit dem Komponisten Luigi Nono eng befreundet. Dass die Verbindung von Philosophie und zeitgenössischer Musik eine fruchtbare sein kann, wissen wir nicht erst seit Adorno und dessen Analysen zu neuer Musik und seiner Verbindung zur Neuen Wiener Schule. Das Buch Cacciaris kulminiert dann auch in einer Interpretation von und Auseinandersetumg mit Schoenbergs Opernfragment „Moses und Aaron“. Der Blick auf die gegenseitige Verwiesenheit der titelgebenden Figuren, und das damit zusammenhängende Moment des Nie-ganz-bei-sich-Seins rücken hier ins Zentrum. Ich gebe zu, es handelt sich nicht um Text, den man gerade mal so wegliest. Aber was wären Lektüren ohne Widerstände? Aus Lektüren erwachsen Lektüren. So bilden sich neben dem Buch und um das Buch herum, das gerade das Zentrum ist, kleine Stapel von Folgetexten. Und vielleicht ist es das, was Lesen für mich ausmacht, ein lustvolles sich Verirren in einer unabschließbaren Welt.
Ikonen des Gesetzes beginnt mit einer Meditation zu Franz Rosenzweigs „Stern der Erlösung“, und auf Seite 11 findet sich folgende Passage: „Erzählende Philosophie“ ist ein Zitat von Schelling. Hier finden wir den anderen konstitutiven Moment jenes paradoxen, philosophischen Systems, das der Stern sein wollte, den romantischen Moment, der in einem Sinn wiederbelebt worden ist, der ihn strikt vom idealistischen Flussbett unterscheidet. Zur Zeit der Abfassung seines Buches erklärte sich Rosenzweig bereits als Anti-Hegelianer und bemerkenswerter Weise als Schellingianer. Aber dieser Einfluss besonders der Weltalter, betrifft den Dreh- und Angelpunkt des neuen Denkens: Das Verhältnis zwischen Voraussetzung und erzählender Philosophie.”
Hier bei Cacciari kommt einiges zusammen, denn er klopft belletristische Texte auf ihren philosophischen und religiösen Gehalt ab. Das Buch bildet z.B. eine faszinierende Engführung von Rosenzweig, den ich endlich lese, Freud, den ich lange nicht gelesen habe, und Kafka, den ich eigentlich immer lese: „Das, was die Sprache gegeben hat (die heilige und unzerstörbare bei Rosenzweig), offenbart sich als Figur des Schweigens – das Schweigen steht in der Identität jener Sprache, es ist deshalb nicht das alleinige Schweigen der Antwort, sondern die Dimension des Fragens – ein Halt im Fortschreiten.“ Es ist immer wieder die Wüste, die einen eigentümlichen Topos bildet. Nicht nur bei Cacciari und den von ihm herangeführten Autoren. Man kann sie auch bei Nietzsche finden, und auch hier mit einem verstörendem Heimatbezug. Und vielleicht liegt es an der Stille, die die Wüste zumindest in meiner Vorstellung ausmacht. Im Nachwort von Nils Röller folgende Passage: „Ein Schlüsselbegriff in der Zusammenarbeit des Komponisten (Nono) mit dem Philosophen ist Stille. Es ist eine Stille, die anruft, tragisch-schmerzhaft erklingt, und ein Fehlen, ein Nicht-Zufriedensein mit der Welt ausdrückt und damit klar zu unterscheiden ist von der Stille in den Werken von John Cage. Dort wird Stille kompositorisch als eine Öffnung aufgefasst für die Umgebung und den Reichtum dessen, was gegeben und anwesend ist.“